tomb raider fanart

Meine erste große Liebe

Das Kennenlernen

Als Tomb Raider 1996 rauskam, war ich 10 und besaß meinen zweiten eigenen Rechner. Ich versuchte, möglichst oft meine Verwandtschaft zu sehen, weil meine jüngeren Cousins, obwohl sie viel jünger waren als ich (unfair!), so ziemlich alle Konsolen besaßen, die es damals gab. Außerdem gab es eine Couch-Landschaft und Junkfood und die ganze Familie hat an den Wochenenden zusammen bis mitten in der Nacht gezockt. Das war für mich der Inbegriff von der Familie, die ich gern gehabt hätte. Besonders stolz war ich, wenn alle anderen eingeschlafen waren und nur noch ich und mein Onkel gespielt haben oder ich ihm beim Spielen zugucken konnte, die Augen schon zentnerschwer und der Mund von Süßkram verklebt, in Pyjamahose. So habe ich auch das erste mal Tomb Raider gesehen und war sofort fasziniert. Ich glaube, ich kannte bis dahin gar kein Spiel mit einer weiblichen Hauptfigur und dann war die auch noch SO cool!

Die ersten Nächte

Ungefähr ein Jahr später hatte irgendeine Computerzeitschrift die Tomb Raider 1 CD als Heftbeilage und so kam ich an das Stück Software, das damals für Taschengeld-Verhältnisse ein Vermögen kostete. Ich erinnere mich an keine Details, nur daran, dass ich es liebte und in Tomb Raider völlig verschwand. An den ersten schloss sich recht nahtlos der zweite Teil an. Ich hatte unheimlich Schiss vor den Hunden in Venedig und eigentlich überhaupt vor allen Gegnern. Manchmal hab ich meiner kleiner Schwester erlaubt, mir beim Spielen zuzugucken. Wir wurden ein gutes Team – sie saß mit dem Lösungsbuch auf den Knien mit bewunderndem Blick neben mir und warnte mich, wenn Gegner kamen und ich hab dafür ab und zu Lara explodieren lassen.

Die gemeinsamen Jahre

Ich liebte Tomb Raider und das Gefühl, das ich hatte, wenn ich es spielte. Ich liebte Lara. Ich wollte schon vor TR Archäologin werden. Lara war dann wahrscheinlich mein erstes Rolemodel. Ich entdeckte Fandom. Das hat sich rund um die Kommerzsause, die um Tomb Raider 3 veranstaltet wurde, ziemlich zugespitzt. Ich besaß Tarnfleckleggings, eine sogar in blau, wie in Nevada.

An einem Tag regnet es sehr stark. Ein großes Tomb Raider 3 Plakat lag in Streifen auf der Wiese vor dem örtlichen Supermarkt. Nur noch ein paar Bahnen, die sich auch schon lösten, klebten an der Wand. Ich bezirzte meine Mutter und wir schafften die klebrigen Papierbahnen in den Kofferraum. Ich war happy. Daheim hängte ich die Bahnen zum Trocknen an Seilen auf dem Dachboden auf und nahm mir vor, irgendwann Plexiglas zu besorgen und das Plakat zu rahmen.

Und dann war es plötzlich vorbei. Einfach so. Ich mochte Lara noch immer und ich mochte das Gefühl, das ich hatte, wenn ich Lara spielen konnte, aber irgendwie war es nicht mehr das Selbe.

Die Trennung

Tomb Raider 4 kam. Ich spielte Tomb Raider 4. Nicht zu Ende. Es war nett, aber es war irgendwie ohne Charme. Lara war mechanisch. Das Spiel irgendwie seelen- und belanglos. Ich spielte noch manchmal die älteren Teile. Es fühlte sich nicht mehr so gut an. Schon schön. Aber auf die wehmütige Art.

Über den Comic Tomb Raider/Witchblade habe ich dann zu einer neuen Liebe gefunden, die mich noch ein paar Jahre begleitete: Witchblade. Über Witchblade kam ich zur Fanart und von der Fanart zum Zeichnen. Zeichnen und ich hatten die letzen Jahre ein bisschen Abstand nötig, aber im Moment sehen wir uns wieder öfter. Ich denke noch manchmal an Lara und bin froh und dankbar um die Zeit, die wir zusammen hatten.

2 Gedanken zu “Meine erste große Liebe

  1. Oh, das klingt so gut.
    Ich konnte nie mit Lara. Das heißt doch, mit Lara, als Figur schon, aber spielen? Ich schäme mich fast es zuzugeben, aber: Ich fand Tomb Raider so ster-bens-langweilig, ich saß immer fasziniert daneben, wenn (meist mein Bruder) spielte und schüttelte den Kopf, weil ich nicht verstehen konnte, wie 1 so etwas laaangweiliges so feiern kann.

    Aber auf die gemeinsame Zeit, auf das Role Model, auf all das bin ich schon ein wenig neidisch. Wie schön, dass du das hattest. 🙂

  2. Tomb Raider – nie ein Favorit, aber viel gespielt, gerade den ersten Teil. Ein gutes Gefühl, wenn man nach einer langwierien Sprung- und Kletterpassage endlich den Schalter erreicht hatte, der die Tür zum nächsten Raum öffnete. Teil 2, Venedig, das ist irgendwie am Besten hängen geblieben. Teil 3 fand ich eigentlich ziemlich gut. Der einzige Teil, bei dem bei mir etwas Story hängen geblieben ist. Aber es war auch mein Letzter, so toll war er also vielleicht doch nicht. Bzw. es gab wohl andere, bessere Spiele bis dahin.

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