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Start, Stop

Mein Lieblingsplattenladen ist vor kurzem umgezogen. Zur Neueröffnung war ich wieder einmal da und habe mir ein paar Schallplatten gekauft. Ich schloss meinen Plattenspieler wieder an, der schon eine ganze Weile ungenutzt auf dem IKEA-Regal eingestaubt war.

Halb spontan und halb geplant kaufte ich mir Arcade Fire’s “Reflektor”. Eine schwere Doppel-LP mit glitzerndem Cover. Eigentlich hatte ich das Album schon gehört, als MP3. Es gefiel mir, aber ich konnte nicht genau sagen warum, erst recht nicht, nachdem ich ein paar negative Rezensionen gelesen hatte. Ich wollte mich dazu zwingen, die Musik intensiv zu hören. Über meine Anlage statt über Kopfhörer. An einem Stück statt einzelne Tracks. Und ohne irgendwelche Ablenkungen… muss ich doch jede halbe Stunde aufstehen, um die Platte zu wechseln.

Das hat erst mal nichts mit Videospielen zu tun. Und dann natürlich doch, denn sonst würde ich hier nicht darüber schreiben.

Ich hatte lange Zeit fast gar nicht mehr gespielt, fing aber letztes Jahr wieder regelmäßig damit an. Anfangs eher als Zeitvertreib im Krankenbett. Mittlerweile nehme ich mir die Zeit zum Spielen, ähnlich wie ich mir die Zeit für die Musik auf einer Schallplatten nehme.

Über dieses Zeit nehmen merkte ich, wie (in Mangel eines besseren Wortes) schön es ist, einem Werk mit der Aufmerksamkeit zu begegnen, die vermutlich in seine Entstehung geflossen ist. Ein gutes Beispiel dafür ist Journey – ich kann mir nur schwer vorstellen, dass sich die selbe Wirkung entfalten würde, wenn die Reise in mehrere halbstündige Sitzungen aufgeteilt wäre.

Ich merkte auch, dass ich gerade Spiele mag, die mir die Möglichkeit geben sie ununterbrochen an einem Stück zu erleben. Wie eine Schallplatte, einen Spielfilm oder eine Kurzgeschichte. Ohne die Anstrengung, die es kostet, alle Herr der Ringe-Filme hintereinander zu sehen oder einen Teil von Metal Gear Solid an einem Stück durchzuspielen. Spieldauern über acht Stunden sind für mich inzwischen fast schon zu einem Ausschlusskriterium geworden. Bevor ich ein Spiel spiele, schlage ich im Internet die nach, wie viel Zeit ich investieren muss.

Die Endstatistik von Papers, Please. Die letzten zwei Stunden sauber aufgelistet.
Die Endstatistik von Papers, Please. Die letzten zwei Stunden sauber aufgelistet.

“Weniger ist mehr” ist hier eine nicht ganz ohne Grund abgedroschene Phrase: die Spiele, die ich im letzten Jahr am meisten genoss, waren solche, die sich vermutlich als “kurz” bezeichnen lassen. Das Ende von Gone Home sah ich nach drei Stunden, das von Shelter nach zwei. The Entertainment dauerte nur etwa 30 Minuten, Home 90. Mit Master Reboot verbrachte ich vier Stunden, mit The Stanley Parable zwei, bei Gunpoint sechs, Contrast vier und The Shivah spielte ich in eineinhalb durch – und kein einziges kam mir zu kurz vor. Für mich ist das Preisleistungsverhältnis eines zu langen Spiels deutlich schlechter, als das eines zu kurzen.

Meinen Pile of Shame habe ich zwar noch immer nicht abgearbeitet, aber zumindest habe ich kaum noch angefangene und nie beendete Spiele. Das ist so ähnlich wie mit dieser LP von The Knife, die mir überschwänglich empfohlen wurde. Gekauft habe ich sie schon vor einer ganzen Weile. Seit dem liegt sie eingeschweißt neben meinem Plattenspieler. Ich hatte bisher einfach noch nicht die Zeit, die richtige Stimmung um mich der Musik darauf zu widmen. Aber wenn die Zeit kommt, dann werde ich sie mir auch nehmen.

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