Zeit vertreiben

Glücklicherweise hatte ich am letzten Wochenende keine festen Pläne. Spätestens mit dem Download von Banished wären sie sowieso hinfällig gewesen. Das Aufbauspiel, in dem eine Gruppe von Vertriebenen mit einer Hand voll Rohstoffen eine neue Existenz aufbaut, fraß unbemerkt das Wochenende auf.

Einzige Spielvariante ist der Endlosmodus, in dem alle Gebäude bereits von Anfang an zum Bau verfügbar sind. Eine Freiheit, die zu Fehlern einlädt. Es gibt zwar ein Tutorial, aber das umfasst nur ein paar Grundlagen. Banished ist nicht um Erklärung bemüht. Selbst wenn der Einstieg recht selbsterklärend ist, scheint es für Fans von Klassikern wie Anno 1602 oder Die Siedler II gemacht zu sein. Auf diese ist Banished ein altmodisches Spiel, das seine Vorbilder vorsichtig modernisiert.

Die Wirtschaftskreisläufe sind einfach gehalten, stellen gerade im späteren Spiel aber noch immer neue Herausforderungen. Ist beispielsweise die Ernährung der Bewohn_erinnen zu eintönig, werden sie mit der Zeit krank. Um die Monokulturen zu durchbrechen, muss teures Saatgut bei Handelsschiffen gekauft werden. Micromanagement gibt es dennoch kaum, viele Aufgaben übernehmen die Menschen eigenständig. Untätige Bewohner_innen suchen sich von allein neue Aufgaben und ziehen automatisch in ein Haus, von dem sie einen kurzen Weg zu ihrem Arbeitsplatz haben. Wer mehr ins Detail eingreifen will wird vielleicht eine weniger indirekte Steuerung vermissen, ich empfand die unbemerkten Hilfestellungen als sehr angenehm.

Wer mag, kann den Bildschirm mit Menüs und Statistiken füllen.
Wer mag, kann den Bildschirm auch mit Menüs und Statistiken füllen.

Nach den ersten vier Spielstunden hatte sich meine Bevölkerung vom anfänglichen Dutzend Siedl_erinnen gerade einmal verdoppelt. Das langsame Wachstum ist ebenso nötig wie gefährlich. Um weitere Rohstoffe zu erwirtschaften werden mehr Arbeit_erinnen benötigt. Wurde vorher aber nicht für genug Überschuss gesorgt, um diese auch ernähren zu können, fällt die Siedlung schnell einer Kettenreaktion zum Opfer. Jed_er durch Hunger, Kälte oder Krankheit dahingeraffte Bewohn_erin ist Teil einer Lernkurve und mit jeder neuen Siedlung funktioniert die Ökonomie dann etwas besser.

Jede neue Geburtenwelle verändert die Dynamik der Siedlung teils drastisch und schnell wachsen entlegenere Außenposten zu selbstversorgten Dörfern heran. Die Teile einer funktionierenden Siedlung sind untrennbar miteinander und auch mit der recht fragilen Natur verzahnt. So wirkt das Gesamte bei aller Planung immer auch wie ein natürlich gewachsener Organismus.

Die eintönige Ernährung senkt die Lebenserwartung.
Eine eintönige Ernährung senkt die Lebenserwartung.

Trotz den ständigen Gefahren des Überlebens wirkt die Welt harmonisch und friedlich. Zwischen den sanften grünen Hügeln schlängeln sich kleine Flüsse entlang. Im Frühling werden die Bäume grün, im Herbst regnet es und im Winter liegt Schnee. Die Präsentation ist ebenso unspektakulär wie liebevoll. Es sind die vielen kleinen Details, die der Welt Leben einhauchen. Und so sind die rauchenden Schornsteine der mit Feuerholz versorgten Wohnhäuser vielleicht auch die größte Belohnung, die das Spiel für eine erfolgreiche Planung bereithält.

Banished ist ein Bescheidenes Spiel. Es versucht nicht mehr sein als es ist, und das ist ein im Grunde simples, aber doch forderndes Aufbauspiel. Das Feintuning schlägt sich in einem Spieltempo und -rhythmus nieder, die so gut sind, dass unbemerkt die Stunden vergehen. Und das ist dann auch fast genau so wie früher.


Banished ist bisher ausschließlich für Windows er schienen und ist für 15€ im Humble Store sowie auf Steam erhältlich.

Kommentar verfassen