Das Leben ist ein Streichelzoo

Ziegen sind nicht gerade die populärsten Tiere, wenn es um die Wahl eines Avatars geht. Mit Goat Simulator und Escape Goat 2 sind gerade dennoch zwei Titel erschienen, die Spielende in das Fell eben einer Ziege schlüpfen lassen.

Der Goat Simulator beginnt mit einer Ziege in eine kleinen Gehege. Eine Ziege kann nicht viel: Springen, Blöcken, Bocken. Den Zaun des Geheges umstoßen. Über ein Trampolin in den zweiten Stock des benachbarten Hauses stürzen. Mit ihrer meterlangen Zunge an Dingen kleben bleiben. Und Autos in die Luft sprengen. Und sich Jetpacks auf den Rücken schnallen…

Goat Simulator Screenshot

Die anarchische Zerstörungsorgie erinnert zum Einen an die ersten Teile von Grand Theft Auto oder Postal 2 und andererseits an das Punkte sammeln von Tony Hawk’s Pro Skater. Nichts hat einen Sinn und alles ist Selbstzweck und dieser Selbstzweck wird mit Punkten, Trophäen und Highscores formell zu einem Videospiel. Aber es geht weniger darum, seine eigenen Rekorde zu schlagen, sondern eher darum in der Kleinstadtidylle durch immer kreativere Verwüstung überhaupt erst herauszufinden, wofür es alles Punkte gibt.

Escape Goat ist optisch wie spielerisch das nahezu komplette Gegenteil. Statt 3D-Grafik, die mit ihren Fehlern kokettiert, sind die Levels liebevoll gezeichnet und stimmungsvoll ausgeleuchtet. Anstelle von unkontrolliertem Herumspringen sind Planung und Timing gefragt.

Escape Goat wirkt zunächst wie ein Jump and Run, ist aber mehr Puzzle- als Geschicklichkeitsspiel. Raum für Raum sucht die Ziege ihren Weg durch die Gemäuer einer alten Bibliothek. Um an Feuerball schießenden Wachen und herabfallenden Steinblöcken vorbeizukommen braucht es vor allem Geduld. Die Lösung der Rätsel erschließt sich oft erst nach mehreren Fehlversuchen. Und doch motiviert jeder gescheiterte Versuch zu einem neuen Anlauf und führt ein Stück näher an die Lösung.

Escape Goat und Goat Simulator könnten kaum unterschiedlicher sein, auch wenn beide eine namensgebende Ziege als Held_in wählten. Auf ihre Art sind beide einzigartig. Das eine ist ein wilder Haufen von Ideen, das andere eine kleine Sammlung fein ausgearbeiteter Gedanken. Eine weitere Gemeinsamkeit lässt sich beim Spielen dann aber doch noch finden – der Spaß am Entdecken und Experimentieren, sei es eine alte Bibliothek oder eine kleiner Vorort. Die Spielmechaniken sind simpel und laden zu kreativer Nutzung und viel “Trial and Error” ein.

Jeweils auf ihre eigene, merkwürdige Art verdeutlichen sie beide, was wir an Videospielen so faszinierend finden. Dass aus den absurdesten Ideen und den einfachen Spielmechaniken die einzigartigsten Spielerlebnisse werden können.


Goat Simulator ist für Windows erschienen und kostet 10$. Escape Goat 2 gibt es ebenfalls für 10€ für Windows, Mac und Linux. Der erste Teil von Escape Goat lässt sich kostenlos im Browser spielen.

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