Eine weiße Frau mit dunklen Haaren

Wo kommen die Spiele im Fernsehen her?

Nina Windisch (31) hat in Köln Germanistik studiert. Seit 2011 ist sie freie Autorin und entwickelt Spiele für Unterhaltungs­sendungen im Fernsehen. Momentan arbeitet sie für die Medien­produktions­firma make it move. Vor der Kamera tritt sie seit sieben Jahren als Assistentin Nina bei den Spielen von Zimmer frei (WDR) auf. Nina schreibt den Sextext, eine Kolumne im Giddyheft, und Gags für das Neo Magazin (ZDFneo).

Was für Spiele spielst du privat gern?

Privat spiele ich eigentlich ungern Spiele, da ich schlecht verlieren kann. Ich bin dann so auf´s Gewinnen fixiert, dass mir das Spiel an sich nicht mehr viel Freude macht. Was ich aber ganz gerne mag sind Spiele, wo es mehr um Kreativität, als um’s Gewinnen geht, beispielsweise das Gesellschafts­spiel Party Time, wo man Be­griffe zeichnen, kneten und pantomimisch vormachen muss. Und ich spiele gerne Tischtennis. Computer­spiele haben mich noch nie gereizt. Während der Schul­zeit habe ich das Rollen­spiel Das schwarze Auge gespielt (ich war die Auelfe Asamandra), bin dabei aber meistens eingeschlafen und wurde immer zum Würfeln bei einem Kampf geweckt.

Was gibt es für Spiele im Fernsehen?

Bei Aktionsspielen (alles, was nicht Quiz ist) in Unterhaltungssendungen sind Menschen die Spielfiguren. Oft handelt es sich dabei um Promis. Dann gibt es zum einen, salopp gesagt, die Kategorie „Kindergeburtstag“, also sowas wie Zimmer frei, wo die Spiele sehr Kostüm- und Motivlastig sind, hier steht der Spaß im Vorder­grund, und zum anderen gibt es Sendungen wie Schlag den Raab, wo es um viel Geld geht und die Spiele sehr pur sind.

Wie läuft so ein Prozess ab, sich Spiele für das Fernsehen zu überlegen?

Am Anfang steht das Brainstorming. Hier versuchen wir so frei wie möglich alles in den Raum zu werfen, das kann ein Motiv sein, das fasziniert, oder auch ein Be­wegungs­ablauf, der irgendwie lustig aussieht. Aber natürlich hat man schon im Kopf: Was ist das für eine Sendung, wer spielt dort? Zum Beispiel bei der ARD Show Das ist SPITZE! geht es darum, dass Prominente neben all den Assoziationsspielen in den Aktions­spielen so richtig aus sich raus kommen können. Das bedeutet, wir über­legen uns ein Spiel, wo 60 Sekunden lang die Post abgeht und eine bestimmte Anzahl von Punkten weder unterschritten, noch überschritten wird.

Nach dem Brainstorming, wo vieles verworfen wird, weil es ähnliches schon gab, beginnen die Tests. Wir basteln Prototypen und erstellen kleine Demovideos. Manchmal muss man auch feststellen, dass die Spiele beim Spielen mehr Spaß machen, als beim Zusehen. Das ist dann auch ein Problem, denn TV-Spiele sollen vor allem für die Zuschauer_innen am Bildschirm interessant sein. Sind wir von einer Idee überzeugt, wird ein Dossier zum Spiel geschrieben und eine Skizze entworfen, die das Spiel gut veranschaulicht. Dann geht das Ganze zum Sender. Nimmt er die Idee, beginnt die Phase wo wir mit Baubühne, Szenenbild und Kostüm zusammensitzen, um die Idee spielfertig zu machen, dann schreiben wir auch intensiv an den Spielregeln.

Worauf müsst Ihr achten bei der Entwicklung?

Bei Prominenten muss man darauf achten, dass Frisur und Make-Up nicht all­zu­sehr in Mitleidenschaft gezogen werden und dass die Mikrophonierung noch funktioniert. Bei Spielen mit Wasser müssen Teppiche verlegt werden, die Kameras dürfen nichts abbekommen und wir können auch keine Spiele mit Dächern kon­zi­pieren, weil das Licht ja von oben kommt. Auch eine Nachtstimmung lässt sich schwer erzeugen, da alle Akteure ja im Licht stehen sollen.

Warum hast Du angefangen, für das Fernsehen Spiele zu entwerfen?

Das kam durch meine Rolle bei Zimmer frei. Ich war bereits vier Jahre als Assistentin dort, als eine Stelle als Autorin frei wurde, passend zu meinem Studiumsende. Die haben sich da wohl gedacht: na ja, die macht ja immer mit bei den Spielen, dann kann sie sich auch welche ausdenken. Vorher hatte ich allerdings gar nichts mit der Konzeption von Spielen zu tun, ich kam eigentlich eher aus der schreibenden Ecke. Es hört sich vielleicht merkwürdig an, aber für die Entwicklung von Spielen hilft mir immer wieder das Nebenfach Philosophie, das ich im Studium hatte. Logisches Denken, Dinge hinterfragen und Bestehendes von einer anderen Perspektive her sehen, das hilft bei kreativen Prozessen, die übrigens mehr Arbeit machen, als man gemeinhin denkt.

Was ist das Spannende an Fernsehspielen?

Es ist immer wieder faszinierend, wie monatelang an den Spielen geschraubt wird und dann sind sie in 60 Sekunden abgespielt. Manche Bauten sind so groß, dass sie nicht eingelagert werden können und direkt nach dem Abbau zerkleinert werden. Das fühlt sich schon manchmal komisch an. Besonders schön ist es, wenn die Spieler_innen richtig viel Freude an dem Spiel haben und das auch zeigen. Denn wir würden selbst nie ein Spiel vorstellen, auf das wir keine Lust hätten. Wenn man das Spiel Backstage verfolgt und sich daran erinnert, wie man in der Spiele­redaktion gemeinsam darauf kam, das ist ein schönes Gefühl, von der ersten kleinen Idee hin zu einem kompletten Spiel mit Bau, Requisiten, Kostüm, Musik und Licht.

In Zimmer Frei trittst Du in (selbst entwickelten) Spielen manchmal mit auf, wie fühlt sich das an?

Seit ich selbst Spiele entwickle, weiß ich die Arbeit dahinter noch mehr zu schätzen und versuche in meiner Rolle als Assistentin dem Spiel den Raum zu geben, den es verdient. Ich kann gar nicht genau sagen, ob ich schon bei einem Spiel dabei war, das ich selbst entwickelt habe, denn wer genau die Idee für ein Spiel hatte ist in einem Team sehr schwer zu sagen. Eine Spielidee ist meistens ein Ge­mein­schafts­werk, wo jede_r irgendwas eingebracht hat.

Welchen Rat kannst Du Leuten geben, die sich für diesen Beruf interessieren?

Wer Spiele für’s Fernsehen entwickeln möchte, der sollte zunächst den Ablauf einer Fernsehproduktion kennenlernen, also beispielsweise in der Redaktion einer Pro­duk­tions­firma arbeiten. Es hilft nichts, sich tolle Spiele auszudenken, die aber im Rahmen einer TV-Produktion technisch nicht umsetzbar sind. Für Brett- und Com­puterspiele ist das anders, da macht sicher ein gezielter Studiengang Sinn, aber für Spiele im Fernsehen gibt es den so nicht.

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