Eine blonde, weiße Frau und ein schwarzer Mann mit kurzen Haaren geben sich vor 2 Laptops High Fives.

Barbie: Spieledesignerin oder Hackerin?

In der letzten Woche sorgte ein Buch von 2010 für Furore. Brianna Wu fiel auf, dass „Barbie: I Can Be a Computer Engineer“ (Barbie: Ich kann Informatikerin sein) eigentlich ein Buch über eine Videospieldesignerin war. Noch dazu eine, die ihren Laptop und den ihrer Schwester mit Viren infiziert und für die Spiele­pro­gram­mie­rung und Laptop­rettung die Hilfe von zwei Informatikern benötigt. Aber am Ende von der Lehrerin noch gelobt wird (für was!?).

Das Buch gehört zur 2010 vom Internet gewünschten Informatik-Barbie, die neben einer Nachrichtensprecherin erschien. Nun hat Mattel das Buch zurückgezogen, nachdem aufgefallen war, dass jede der Botschaften im Buch höchst problematisch ist. Der Titel verspricht einen Bruch mit Stereotypen, bedient diese dann aber: Barbie ist „nur“ Designerin und braucht dann Hilfe von zwei Jungs. Auch die völlige technische Inkompetenz findet ihre Schwester Skipper lustig (Kissenschlacht!).

Die „echte“ Informatikerin Casey Fiesler entwickelte daher einen Remix des Buches, der vielfältigen Rollen bei der Spieleentwicklung berücksichtigt, wie auch die Vorurteile gegenüber Progammiererinnen. @kaflurbaleen programmierte an­schlie­ßend die App Feminist Hacker Barbie, mit der alle Internetnutzer_innen Remixe erstellen können.

Dass die so entstandenen Bilder und Geschichten „Feminist“, also feministisch, sind, wird (nach einigen coolen Beispielen) leider immer fragwürdiger. Aus­ge­rech­net der schwarze Mitschüler könnte ihr Sekretär werden und oft genug sind Barbies Bemerkungen nun Posterbeispiele für die ausgrenzenden Aspekte von Hacker- und Nerdkultur: Herablassend und möglichst unverständlich. So erreichen weder das ursprüngliche Buch, noch die zahlreichen Remixe das von Mattel und im Meme-Namen versprochene Ziel, Mädchen mehr Optionen bei der Berufswahl auf­zu­zei­gen. Stattdessen wird ein abschreckendes Klischee durch das nächste ersetzt.

Dabei sind die möglichen Remix-Aspekte vielfältig. Abseits aller Programmierung braucht ein Computerspiel natürlich Design, Geschichte und Ent­schei­dungs­mög­lich­keiten. Wo bleibt „Barbie: I can be a Game Designer“, wenn Fiesler mit ihrem Remix schon so schön vorgelegt hat?

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