Spiel mit uns

10 Uhr war wie immer eigentlich viel zu früh für den Beginn einer Veranstaltung. Dabei war ich doch nicht einmal beim “socializing” am Vorabend anwesend, um mein verspätetes Ankommen bei der Join wenigstens mit einem Bier zu viel erklären zu können. Am letzten Samstag fand der “Local Multiplayer Summit” im Berliner Supermarkt statt. Eine Mischung aus Konferenz, Entwickler_innen-Treffen, Spiele-Ausstellung und Open-Air-Game-Party. Organisiert wurde das Event von Lorenzo Pilia, der bereits bei der diesjährigen A Maze für das Programm verantwortlich war, und Sjors Houkes.

Den ganzen Tag über fanden diverse Talks und Panels statt. Manche Beiträge waren technischer, befassten sich mit dem Fehlen von für Spiele geeigneten Netzwerk-Techniken oder HTML-basierten Brettspielen. Das Team Glitchnap erzählte von selbst gebauten Spielen und Controllern, die sie unter anderem auf dem Roskilde Festival präsentierten. Alper Çuğun redete darüber, was lokale Multiplayer-Spiele von eSports wie Dota 2 lernen können. Zuraida Buter befassten sich hingegen (fast) gar nicht mit Videospielen sondern berichtete vom Playful Arts Festival und Spielen wie Weeping Angels, die alle ohne Computer auskommen. Und Dajana Dimovska (Affordable Space Adventures), Robin Kocaurek (Mercury Shift 3D) und Adriaan de Jongh (Bounden) erzählten davon, wie ihre sie mit ihren Spielen auf verschiedene Art das Zusammenspiel der Spieler_innen erkunden.

Das Formate der Vorträge reichte von 10-minütigen Kurzvorstellungen bis zu längeren Panels – oder auch mal einer kurzen Partie Flappy Birds, bei dem die Spielfigur durch die Lautstärke des Publikums gesteuert wurde. So sehr dem Programm stellenweise ein klarer roter Faden zu fehlen schien, so gut war die Veranstaltung organisiert. Vom schnellen Einlass bis zum gemeinsamen Abbau der Stühle, um abends rechtzeitig die Location räumen zu können. Was beim Einhalten des Zeitplans leider größtenteils auf der Strecke blieb waren offene Diskussionen und Publikumsrückfragen. So wurde zwar über das gemeinsame Spielen geredet, auf der Bühne aber zumeist nur im Singleplayer-Mode.

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Dort herrschte nicht nur thematische Vielfalt. Ein Panel mit mehr Frauen als Männern ist wohl leider bisher in kaum einem Teil der Gaming-Szene eine Selbstverständlichkeit. Im Publikum herrschte hingegen weitaus weniger Diversität. Dort saßen größtenteils Männer (ich einer davon), die meisten mit Bart. Ein recht stereotypes Bild des Spiele-Entwicklers also. Das Panel zur Event-Organisation schnitt unter anderem Safe Spaces und Policies an. Eine offizielle Safe Space Policy gab es auf der Join. Ebenso waren Speaker_innen und Themen breit aufgestellt. Wie lässt sich also dieser große Kontrast zum Publikum erklären?

Zum einen wurde die Policy erst wenige Tage vor dem Event online gestellt, so dass sie wohl die wenigsten Besucher_innen vorher gesehen haben. Auch dass das Event eigentlich den durchaus einladende Name “Join” trug wurde mir erst vor Ort bewusst. Vorher dachte ich “Local Multiplayer Summit”, was eher technisch, nerdig und im negativen Sinne nach “Gamern” und entsprechend abweisend wirkt, wäre der offizielle Titel. Und vielleicht wurden auch die Aspekte wie Ausstellung und das abendliche Spielen unter freiem Himmel nicht deutlich genug kommuniziert. Aber selbst das erklärt nicht, warum vergleichsweise wenige Entwicklerinnen anwesend waren. Daran, dass es in Berlin keine gibt, dürfte es wohl kaum gelegen haben.

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Ansonsten strahlte die Join oft durchaus das Gefühl einer kleineren Version der A Maze aus. Vom Layout der Bühne über die offene Stimmung der Ausstellung fühlte ich mich mehrfach an das Festival im April erinnert.

Viel wurde über alternative, zugänglichere Controller gesprochen. Die meisten Exponate ließen sich dann aber dennoch mit klassischen Xbox-Controllern spielen – und natürlich war auch Gang Beasts wieder dabei. Es gab aber auch die wunderbar merkwürdigen Exponate. In Cluck Cluck Motherfucker hämmern Spielende mit einem Pappschnabel auf die Tastatur, mit einem Oculus Rift versuchten zwei Menschen einen Kuchen zu backen, Tap Happy Sabotage forderte auf einem großen Touchscreen zum unfairen Spielen auf und Affordable Space Adventure schweißte drei sich vorher fremden Menschen mit Teamwork zur Crew eines Raumschiffs zusammen.

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“Menschen verbinden” war das immer wieder durchscheinende Motto vieler Spiele. Ob mit- oder gegeneinander, mit oder ohne vom Spiel geforderte oder versehentliche Berührungen. Immer gemeinsam und in Erfahrungen, die alleine nicht möglich wären. “Ein sehr schöner Gedanke, für den ich praktisch aber eigentlich wohl zu schüchtern bin”, dachte ich. Aber wenn eins erst nur zuschaut und dann doch der Einladung zum Mitspielen nachgibt verfliegt diese Anspannung mit jeder Runde mehr und mehr.

“Local Multiplayer” und “lokaler Mehrspieler” sind Wortkonstrukte, die kalt, technisch und abweisend wirken. Es ist ein Begriff der die ganze Bandbreite von klassischen Prügelspielen, merkwürdige Controllerkonstruktionen bis zu Spielen ganz ohne Bildschirm – oder so gar ganz ohne Computer – umfasst. Spiele, die es schaffen Fremde und Freunde auf verschiedenste, ungeahnte Arten zusammenzubringen. Das alles ist “local multiplayer” und das Wort wird dieser Vielfalt, der Offenheit und Zugänglichkeit nicht einmal im Ansatz gerecht.

Die Join hat definitiv deutlich gemacht, dass sie mehr ist als eine kleine Veranstaltung um einen kurzlebigen Hype. Gemeinsames Spielen in seinen vielen Facetten verdient einen eigenen Ort zum Austauschen und Erkunden. Dabei bleibt einzig zu hoffen, dass es beim nächsten Mal noch besser gelingt ein weiteres Publikum wenn auch nicht für die Konferenz, dann doch für das eigentlich wichtige zu gewinnen: das Spielen.

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