“We think games are for everyone.”

Anfang dieser Woche begann sich Twitter langsam mit Herzen zu füllen. Die Profilbilder von Entwickler_innen, Designer_innen, Spielejournalist_innen, Gamer_innen wurden mit den bunten Logos verziert. Sie entstammen der Aktion “We Heart” – wir ermutigen, wir lieben – und adressiert mit diesem “wir” die Gemeinschaft derer, die Videospiele lieben. Spiele sollen ein Ort sein, an dem sich alle Willkommen fühlen. Wo Kritik begrüßt wird. Für Menschen die glauben, dass Spiele für alle da sind.

Das “mission statement”, wenn eins es denn so nennen will, ist sehr kurz gefasst. Die wenigen Worte wirken mit sehr viel Bedacht gewählt. Eines fehlt dabei auffälliger Weise: “Gamergate“. Das Hashtag, dass die Spielegemeinde nachhaltig erschüttert und so viel Hass auf Frauen* fokussiert hat, wird nicht erwähnt. [Nachtrag (22.11.2014): Mittlerweile gibt es eine Notiz, die etwas deutlicher ist, nachdem Unterstützer von Gamergate das Logo benutzten.] Dabei ist es schwer vorstellbar, dass die Idee von “We Heart” nicht genau vor dem Hintergrund der Ereignisse der letzten Monate entstanden ist.

Unterstützer von Gamergate identifizieren sich schon lange mit den eigenen Logos und Motiven. Sie motivieren sich mit martialischer Kriegspropaganda, deren menschenverachtende Idee sich selbst bis in das Farbschema der von ihnen geschaffenen Cartoonfigur Vivian James fortsetzt, das auf einen Vergewaltigungs-“Witz” anspielt. Es ist eine aggressive Nachricht, die immer ein Angriff auf das Feindbild der “Social Justice Warriors” ist.

Im völligen Gegensatz dazu ist es ein leiser Optimismus, den das dreifarbige “We Heart” Logo ausstrahlt. Er konstruiert keine einfache “Gegenseite”. Auch wenn der Wiedererkennungswert des Herzens eine wichtige Rolle spielt, entsteht keine anonyme Masse. Die meisten erstellen eine eigene Variante des Herzens, mit ihrem Gesicht in der Mitte. So steht jedes immer für ein Individuum, die sich aber bei einer Sache einig sind – dass Spiele etwas wunderbares und für alle da sind.

Es ist keine Reaktion auf misogynen, homophoben, rassistischen, transphoben Hass, sondern eine Stellungnahme, eine Liebeserklärung. Statt der Antwort auf eine negative Nachricht will es eine positive für sich selbst sein, die ohne diesen überpräsenten Kontext auskommt. Darüber darf aber nicht in den Hintergrund geraten, dass der Grund, aus dem Aktionen wie #stillhere oder die Panel-Reihe #1ReasonToBe immer wieder und immer noch nötig sind, eben in der exkludierenden Feindseligkeit von Industrie und Community liegt.

Daran wird der Tausch eines Profilbildes natürlich nichts ändern. Dennoch wird auch mein Twitter-Profil jetzt von einem Herzen geziert, so wie die von herzteile auf Twitter und Facebook ebenfalls. Vielleicht ist es nicht viel, aber wenn irgendwo jemand die Herzen sieht und weiß, dass der Hass doch nicht alles ist was Videospiele bringen, dann hat es auf jeden Fall nicht geschadet.

Nachtrag (23.11.2014): Oder zumindest konnte eins sich das denken. Doch die offene Formulierung stellte sich als problematisch heraus: Unterstützer von Gamergate adaptierten die Herzen, die meisten davon in dem bereits erwähnten Farbschema, und führten die Idee damit auf zynische Art ins Absurde. Der Initiator der Aktion hat inzwischen keinen öffentliches Twitter-Profil mehr, nachdem sein Account mit Hass und dem Vorwurf, er würde seine eigene Kampagne nicht verstehen, überflutet wurde.

Sie werfen “Doppeldenk” – ein Begriff aus George Orwells “1984” – vor und derailen die Diskussion dabei selbst durch ein absichtliches Missverständnis des Wortes Inklusive. Ein Raum kann nicht inklusiv sein, wenn er Platz für Misogynie und Transphobie – also Hass und Ausgrenzung – bietet. So bedeutet die Aussage, “alle” sind willkommen auch immer, dass viele ausgegrenzt werden. Ein sicherer Raum, der Menschen willkommen heißt muss eines selbst ausgrenzen: Hass. Wie schon bei dem Statement von Blizzard, das ebenfalls vage formuliert und dann missinterpretiert wurde, zeigt sich wieder, dass diese Abgrenzung von Gamergate nicht klar genug formuliert werden kann.

11 Gedanken zu ““We think games are for everyone.”

  1. “…deren menschenverachtende Idee sich selbst bis in das Farbschema der von ihnen geschaffenen Cartoonfigur Vivian James fortsetzt, das auf einen Vergewaltigungs-“Witz” anspielt.”
    Dazu hätte ich gerne eine Erklärung mit Belegen. “Vivian James” ist meines Wissens ledigleich ein Wortwitz, da es ähnlich wie “Video Games” klingt und das Farbschema wirkt auf mich lediglich ästhetisch hübsch, sonst aber mit keiner “politischen” Botschaft verbunden.

      1. Mal wieder Halbwissen.

        Wenn man sich die Ursprungs-Gif genauer ansieht, sieht man dass Vegeta mit kleinen gelben Ringen am Boden festgemacht ist. Diese gelben Ringe sind einer seiner Fähigkeiten, was bedeutet, dass er sich selbst, wohl absichtlich, in diese Lage gebracht haben muss. Es handelt sich hier also um keine Vergewaltigung, auch wenn das die erste hysterische Interpretation gut hergibt. Sondern einfach um einvernehmlichen Sex mit Fesselspielchen.

      2. Wow, das ist aber wirklich sehr weit hergeholt. Zudem finde ich dazu an keiner Stelle vernünftige Belege, sondern lediglich Behauptungen die zudem von erklärten Gegnern der Bewegung in den Raum gestellt wurden.
        Das Design ist in meinen Augen sowohl optisch ansprechend als auch augenscheinlich vollkommen unsexuell. Irgendwelche potentiellen inside-jokes oder versteckten Aussagen sind reine Interpretationssache und daher auf das große Ganze bezogen vollkommen irrelevant.

  2. Hm, deine Meinung in Ehren. Aber wenn ich jetzt ein Gamer bin, und gleichzeitig Gamergate unterstütze, und die vier Grundsätze die Zecher postuliert, auch unterstütze, wieso darf ich dann nicht mitmachen?

    “We think games are for everyone”, außer für die die wir nicht mögen (also gamergate), ja? Da ist doch dein Doppeldenk.

    “Everyone” /= Gamergate ?

    This does not compute.

    Nein, die einzige die gegen Inklusivität sind sind Leute wie du, die immer wieder breit und lässig über alle scheren, die in Gamergate aktiv sind. Ausgrenzen und Zensieren (siehe aktuelle blocklist mit über 10.000 Leuten drin) macht immer die Gutmenschenseite. Also, deine.

    Nächstes Mal versuchst du vorher mal der Gegenseite zuzuhören anstatt hysterisch Beleidigungen und Unterstellungen um dich zu werfen als ob es kein morgen gäbe.

    Oder du formulierst es eben gleich richtig und ehrlich, damit es gar keine Verwirrung mehr gibt:

    “We think games are for only those guys we deem to be worthy to be in our social circle. Everyone else is scum”

    Schreib es doch so. Dann sind die Fronten klar.

    Außerdem: Die Farben von Vivan James sind kein Vergewaltigungswitz. Woher hast du denn den Blödsinn? Direkt von #FullMcIntosh übernommen?

    1. Welche Position wir hier zu Gamergate vertreten haben wir schon ausführlich klar gemacht. Wenn du das nicht nachvollziehen kannst ist das deine Meinung – aber wirf uns nicht vor, die “Gegenseite” nicht betrachtet zu haben.

      Das Problem ist, dass du nie alle Einschließen kannst. Wenn du “alle” wörtlich nimmst heißt das auch, dass Harasser und Hater einbezogen werden – und das heißt automatisch, dass Maginalisierte ausgegrenzt werden. Es ist naiv und falsch, “alle” wörtlich zu verstehen. Deshalb freue ich mich, dass das auf We Heart klargestellt wurde, wenn auch aus meiner Sicht zu spät.

      1. “We want games to be a space where everyone feels welcome, except those who we don’t welcome because we don’t like them.

        We think critical thinking in games should be applauded, but god forbid you are critizing this very notion, or my beliefs, or any other arbritrary authoritarian border that we set, and that you have to follow.

        We want to play all kinds of games, made by all kinds of people, but not those we don’t deem worthy because they are too sexist/racist/not our taste.”

        We think games are for everyone, but not the one we don’t like.”

        Wenn du “nie alle” einschließen kannst, dann formuliere es doch auch so. Siehe oben! Das ist ehrlich und schließt Klarstellungen wie deine im Voraus aus! Leider klingt es dann halt nicht mehr so nett, aber die Fronten wären dann ja klar, oder?

        Ich finde es schade, dass Herzteile.org das Verhalten von Gamergate nicht ebenfalls im Sinne des Authors interpretiert. Seit der Entstehung erwehren sich die Teilnehmer dieses Hashtags gegen die Verallgemeinerung als Harasser beschimpft zu werden, und auch deswegen haben sie diese, wie du es sagst, Daniel, Liebeserklärung auch angenommen. Und Ihr stoßt sie wieder weg, na das ist ja ganz großes Damentennis.

        Dein Text war außerdem grausam zu lesen wegen dem angestrengtem und verkrampften Gender-ismus in den Personen-Substantiven. Hoffentlich lässt man das bald wieder sein. Ist ja schlimm.

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