Besser Blocken

Twitter hat heute angekündigt, seine Funktionen zum Schutz vor Belästigung zu verbessern. Das scheint zunächst nichts mit Videospielen zu tun zu haben, aber nach dem, was mit GamerGate in den letzten Monaten passiert ist, steht es leider doch in einem Kontext.

Twitters Umgang mit Harassment wird seit Jahren scharf kritisiert: Zumeist wurden die Forderungen der Nutzer_innen schlicht ignoriert, in einigen Fällen wurde die Situation sogar noch verschlechtert. Die integrierte Blockfunktion war zeitweise praktisch wirkungslos. Der Zugriff von externen Anwendungen aber, die zusätzliche Schutzfunktionen boten, wurde zunehmend eingeschränkt. Das Melden von missbräuchlichem Verhalten ist derzeit auf einen abschreckend komplexen Prozess beschränkt, der die Angabe persönlicher Daten erzwingt und dabei ebenfalls zumeist wirkungslos bleibt.

Nun endlich, nach Monaten der wohl größten Kampagne zielgerichteten Hasses gegen Frauen* die die Plattform je erlebt hat und direkter Kritik an Twitters Umgang damit, scheint sich erstmals eine positive Entwicklung anzukündigen.

Die in Twitters Video gezeigte Melde-Funktion benennt “Harassment” erstmals deutlich als solches und fordert keine persönlichen Daten der Betroffenen mehr ein. Ein weiteres neues Feature ist das Auflisten geblockter Accounts. Die Block-Funktion wurde von Twitter bisher kaum beachtet. Die erst kürzlich eingeführte Möglichkeit, Accounts stumm zu schalten war bereits ein erster guter Schritt in Richtung mehr Kontrolle für die Nutzer_innen. Es bleibt aber abzuwarten, ob der einfachere Meldevorgang auch von einem geschulten Team gestützt wird, das mit den eingehenden Meldungen schnell und professionell umgeht. Das Unternehmen hat sich bisher nicht damit hervorgetan, die von Angriffen und Hass betroffenen Nutzer_innen zu schützen.

Auch bleibt zu hoffen, dass Twitter die Veränderungen nicht nutzt, um externe Dienste weiter auszuschließen. Dienste wie der GamerGate Auto-Blocker und den Block Bot sind momentan die wohl effektivsten Möglichkeiten, um beispielsweise massive Angriffe von eigens dafür erstellten Accounts abzuwehren. Für viele ist Twitter anderweitig kaum noch nutzbar – die Interaktionsspalten quellen mit unerwünschten Inhalten über. Würde Twitter diese selbstgebauten Schutzmechanismen und Ergänzungen beschränken, würde dies die aktuellen Bemühungen bedeutungslos werden lassen.

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