Do_nt believe the Hype

Als Drift Stage im August letzten Jahres angekündigt wurde, machte es schnell die Runde über Webseiten und Blogs. Dabei war gar nicht so viel von dem Rennspiel zu sehen. Es ist schnell, grell und cool. Die minimalistische Low Poly-Grafik erinnert an Konsolenspiele der 90er, der wummernde Soundtrack an Action-Kitsch der 80er. Drift Stage verkaufte sich vor allem über seine Auffälligkeit. Ein Rennspiel, das wirklich cool aussieht und cool klingt.

„Das coolste Rennspiel seit Jahren“ schreibt Kotaku. „Drift Stage ist das Neon-farbene Anime-Rennspiel, das das Universum gebraucht hat“ titelt Killscreen. The Verge schreibt „Drift Stage ist ein Spiel im 80er-Stil über Driften und es sieht unglaublich aus“. „Schaut euch Drift Stage einfach für eine Weile an…“ meint Rock Paper Shotgun. All diese Superlative waren Reaktionen auf die ersten veröffentlichten Bilder aus dem Spiel.

Natürlich ist Drift Stage keine Ausnahme. Viele Ankündigungen werden von der Presse nur zu gerne mit dem beabsichtigten Marketing-Hype aufgenommen. Skepsis hat hier keinen Platz, dafür ist es noch zu früh. Sich aber voll den Versprechungen hinzugeben, ist umso einfacher. Die Superlative generieren nicht nur Aufmerksamkeit für das beworbene Spiel, sondern natürlich auch Interesse bei den Lesenden und damit Klicks. Eine Win-Win-Situation. Drift Stage passt perfekt in dieses Schema. Es wurden leicht zu teilende, animierte GIFs verbreitet und die gerade veröffentlichte Demo beinhaltet einen Foto-Modus, in dem sich dramatische Screenshots anfertigen lassen.

In diesem Fall könnte der Hype aber auch einen ehrlicheren Hintergrund haben. Lange gab es kein Rennspiel mehr mit einem so deutlich hervorstechenden Stil in einem Genre, das eher dazu neigt, immer nur noch größer und größer zu werden. Während überambitionierte Projekte wie Driveclub oder The Crew nahezu unspielbar veröffentlicht wurden, lässt sich das Grundkonzept kaum minimalistischer umsetzen als in Drift Stage. Was es verspricht, ist ein Zurück zu den Anfängen, zurück zu einer gewissen Bescheidenheit. Ähnlich wie zuvor in anderen Genres ist es auch hier ein Indie-Spiel, das die Fantasie beflügelt. Das Spiel hat ästhetisch mehr mit ebenso nostalgischen wie straff designten Indiegames zu tun, als den als Vorbild dienenden Rennspiel-Klassikern.

Inzwischen gibt es eine Demo, die zwar nur eine Strecke lang ist, aber schon alles beinhaltet, was die ersten Trailer versprochen haben. Die Macher_innen wissen genau, wie fotogen und stylisch es ist und nutzen seinen Charme weiter aus. Drift Stage ist in jeder Hinsicht darauf fokussiert, in Spielgefühl, Soundtrack und Grafik genau das zu liefern, was als Image aufgebaut wurde.

Der Hype entsteht also zumindest ein Stück weit auch aus der Hoffnung, dass die Versprechungen eben nicht leer sind. Ein ähnliches, ebenfalls auf Kickstarter vertretenes Beispiel macht gerade nicht die Runde: der Shooter Strafe hat einen ähnlich viralen Trailer, der Nostalgie und Neugier weckt und ein Spielprinzip, das sich auf die Perfektionierung des Kernprinzips ohne viel Drumherum konzentriert. Vielleicht heißt das, dass diese Spiele mehr Style als Substanz haben. Vielleicht heißt es aber eher, dass viel Style selbst schon genug Substanz ist.

Disclaimer: Ich habe beide Spiele nur all zu freudig auf Kickstarter unterstützt – und bin mir klar, dass dieser Beitrag Teil des Hypes ist.

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