Drachenväter und Drachenmütter

Im Sachbuch “Die Drachenväter” von Tom Hillenbrand und Konrad Lischka beschäftigen sich die Autoren mit den Ursprüngen des Rollenspiels – das lange vor dem Umzug auf den Computer schon auf Papier stattfand. Begleitend veröffentlichten sie einen Interview-Band mit den Gesprächen, die sie für das Buch führten. Und obwohl der Titel (leider) korrekterweise auf die männliche Dominanz in der Branche hinweist, gibt es auch “Drachenmütter”, wie Margaret Weis, das wir im Folgenden als Auszug mit freundlicher Genehmigung hier veröffentlichen.

1948 geboren kam sie 1983 als Buchlektorin zu TSR, sie entwickelte die Romane und Abenteuer für die „Dragonlance“-Kampagnenwelt mit und verfasste zusammen mit Tracy Hickman die enorm erfolgreiche erste „Dragonlance“-Trilogie. Weis verließ TSR und schrieb viele Fantasy-Bestseller. Sie leitet den Rollenspielverlag Margaret Weis Productions.


Erinnerst du dich, wann du das erste mal von Pen&Paper-Rollenspielen gehört hast?

Zum ersten mal las ich über RPGs in einem Artikel in Publisher’s Weekly in den frühen Achtzigern. Sie hatten einen Artikel über TSR. Ich war fasziniert! Ich stellte mir vor, wie viel Spaß es machen würde diese Spiele mit meinen Kindern zu spielen. Ich fand heraus, dass ein Freund von mir D&D spielt. Er kam vorbei und leitete ein Spiel für uns. Wir hatten viel Spaß.

Wie bist du zu “Der Herr der Ringe” gekommen?

Es ist schwer zu glauben, aber es gab zu dieser Zeit nicht viel Fantasy-Literatur! Das meiste war Science-Fiction. Ich las Herr der Ringe in den Sechzigern im College, zu einer Zeit wenn College-Student_innen die Bücher wiederentdeckten und sie überall auf den Campussen gelesen wurden.

Wurden diese Romane als ein eigenes Genre wahrgenommen?

Fantasy war ein eigenes Genre. Eines, auf das die “ernsthafte” Science-Fiction-Community zu dieser Zeit herabblickte, weil sie nicht wissenschaftlich waren. Anne McCaffrey beispielsweise, bezeichnete sich selbst immer als Science-Fiction- statt als Fantasy-Autorin.

Es scheint in den späten Siebzigern und frühen Achtzigern eine Explosion an Fantasy gegeben zu haben – kannst du dir Gründe dafür vorstellen?

Ich denke, die Autor_innen die “Herr der Ringe” in den Sechzigern liebten waren so weit, ihre eigenen Geschichten zu schreiben. Nur eine Vermutung!

Was war dein Eindruck von TSR bei deinem ersten Besuch 1983?

Wir hatten ein Großraumbüro in der obersten Etage einer ehemaligen Wattestäbchen-Fabrik. Das war eine lokale Legende – Ich weiß bis heute nicht ob es wahr ist oder nicht. Es sah aus wie jedes andere Büro, abgesehen von all den merkwürdigen und verrückten Dekorationen und, natürlich, der Kunst-Abteilung, die erstaunlich war mit all den Bildern an den Wänden.

Wie war die Arbeit bei TSR, welche Erinnerungen fallen dir ein wenn du zurückdenkst?

Die Arbeit dort war der meiste Spaß den ich jemals hatte! Ich war in der Entwicklungsabteilung. Die Spieldesigner trugen was immer sie wollten. Nur die Führungskräfte trugen Anzüge und sie besuchten uns selten. Die Künstler hatten eine Toilette mitten im Raum. Jeff Easely entwickelte eine mechanische Hand, die herausragte und Leuten zuwinkte. Zen Cook hatte bestimmt hundert Transformers an seinem Arbeitsplatz. Wir hatten Wasserpistolen-Gefechte im Flur. Dienstags war Test-Tag, an dem alle spielten. Dort zu Arbeiten war keine Arbeit.

Kannst du aus deiner Sicht beschreiben, wie sich das Rollenspiel-Geschäft, besonders Fantasy, seit den Achtzigern weiterentwickelt und verändert hat?

Das Aufkommen von Videospielen hat die Industrie hart getroffen. Wir konnten sehen wie die Verkaufszahlen sanken und mehr und mehr Spieler_innen den Tisch verließen und sich ihren Computern zuwandten. Wir Comeback, viele merken, dass es Spaß macht mit ihren Freunden und Familie zu spielen.


Auszüge eines weiteren Interviews aus “Die Drachenväter” gibt es bei Superlevel zu lesen. Dort geht es unter anderem um die Rollenspiel-Erfahrungen von Ultima-Schöpfer Richard Garriot.

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