Vor einer orangen Leinwand steht eine weiße Frau an einem roten Rednerpult

Anita Sarkeesian über – nicht nur – ihren Alltag

Keine Witze machen, im Cafe möglichst unsichtbar sitzen und niemals Schimpfworte benutzen. Vor knapp zwei Wochen hat Spielekritikerin Anita Sarkeesian beim australischen All About Women Festival über ihren Alltag der letzten Jahre gesprochen. Es geht um die Balance, wenn Morddrohungen schon Monotonie bedeuten und manchmal doch alles zuviel wird – aber das da draußen niemand sehen darf, weil dieses Eingeständnis noch mehr Gewalt nach sich ziehen könnte. Um all die Vorkehrungen die sie trifft, um möglichst wenig Hass abzubekommen, obwohl er eh nicht aufhört.

Damit beschreibt sie eine Realität, vor der gerade öffentlich gewarnt wird. Nach Gaucks Angst vor dem Tugendfuror 2013 ist angeblich 2015 ein Moralmob unterwegs, Menschen das Leben nach einem Fehltritt zu zerstören. Tatsächlich werden aber nur zum wiederholten Male überwiegend männliche Menschen angeführt, die auch noch weiß und in verantwortlichen Positionen sind und eine Reihe an fragwürdigen Aussagen aufweisen.

Sie alle aber leben nicht Sarkeesians Realität, es werden nicht pro Woche 120 Hass-Antworten hochgeladen. Sie leben auch nicht wie all die Frauen, die sich öffentlich gar nicht äußern und politisches Engagement auf die wichtigsten Punkte in ihrem engsten Umfeld beschränken. Die Frage nach dem Moralmob und Fehltritten bleibt damit seltsam verschoben von den aktuellen Debatten um Frauen/Queers/People of Color/Transpersonen/… in Tech/Comics/Literatur/Games/… Obwohl genau dort Machtgefälle und Ausschlussmechanismen seit Jahren analysiert werden.

Schließlich ist das Video eine deutliche Erinnerung, dass die Games-Szene schon weit vor Gamergate unfassbaren Hass produziert hat und diesen über die Jahre hinweg deutlicher auslebt, als in all den anderen, ähnlich gelagerten Debatten. Was vermutlich auch daran liegt, dass Sarkeesian sich bei all dem Hass von ihrer Freude an Computerspielen nicht abbringen lässt.

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