Eine Mauer aus Fußballspielerinnen in weißen Trikots vor einer Freistoßschützin in rot

Fifa 2016: Hilfe, die Frauen kommen

In Fifa 2016 werden erstmals nach 22 Jahren, 30 Ligen und 500 Männer-Mannschaften auch Frauen-Mannschaften zu spielen sein – 12 nationale Teams, die nur gegeneinander spielen können. Nach Kritik auf Twitter, dass es durchaus Spiele unter den Geschlechtern geben könnte oder gar Spielerinnen und Spieler in einem Team kam folgende Frage auf:

Was wäre denn, wenn es die Option gäbe, und d. Spieler_in mit dem Frauenteam fast jedes Spiel hoch verlöre?

Ja, was wäre dann? Außer dem Rat „mehr Üben“ für die Person, die das Frauenteam spielt. Hoffentlich zuallererst die Erkenntnis, dass 50 Jahre aktiver Diskriminierung in Form von Verboten Wirkung zeigen. Das sind 50 Jahre, in denen sich eine Fußballkultur für Frauen hätte etablieren können, Nachwuchsförderung betrieben, Spielpraxis erworben und weitergegeben und Vorbilder geschaffen. Das unterblieb nicht nur einfach, es wurde wiederholt verboten. Frauen, die Fußball spielen wollten, mussten nicht nur bei Null anfangen, sie haben sich erst die Null erkämpft.

Und selbst, wenn sich die Fußballverbände sofort nach dem Aufheben der Verbote enthusiastisch in die Frauenförderung gestürzt hätten (was sie bis heute nicht tun) – wie könnte in knapp 45 Jahren Frauenfußball die Entwicklung von 115 Jahren nachgeholt werden? Auch eine endgültige Aussage über die „Natur“ oder Biologie der Geschlechterunterschiede kann so nicht getroffen werden. Die Rahmenbedingungen sind zu verschieden, die Finanzierung von Fußballerinnen viel schwieriger, womit viele potentielle Spielerinnen (weltweit) wegfallen. Neben Körperkraft und Ausdauer braucht es für gewonnene Spiele aber eh noch Taktik, die richtige Teamzusammenstellung, Timing …

Einen Hinweis geben die Marathonweltrekorde von Männern und Frauen. Nachdem das Laufverbot für Frauen aufgehoben wurde, sind die Zeiten bei den Frauen zunächst stark gesunken und ändern sich jetzt nur noch langsam. Wobei das Laufverbot weiter deutlich macht, dass das Fußballverbot für Frauen kein Einzelfall war, sondern Teil eines Systems. Einem System, das unrühmlich fortdauert. Die Sportverbände setzen der Weiblichkeit wissenschaftlich umstrittene Grenzen, verlangen ethisch fragwürdige Geschlechtstests und gegebenenfalls medizinisch nicht notwendige Behandlungen. Wer nicht mitmacht, darf nicht mitspielen.

Schließlich sind die spannenden Fragen aber ganz andere: Was wäre, wenn Frauenteams Männer schlagen? Wer findet zuerst heraus, mit welcher Taktik das selbst bei körperlichen Unterschieden möglich ist? Was, wenn der Sieg mit dem schlechtesten Frauenteam als höchster Schwierigkeitsgrad des Spiels Anerkennung findet? Wenn gemischte Teams immer noch funktionieren? Wenn wir endlich einsehen, dass die Welt nicht automatisch gerecht ist, wenn eine Ungerechtigkeit abgeschafft wird. Sondern die Folgen dieser Ungerechtigkeit dann erst sichtbar werden.

Ein Gedanke zu “Fifa 2016: Hilfe, die Frauen kommen

Kommentar verfassen