SMS aus der Zukunft

Ein Knopf, ein Chatfenster und ein Rädchen mit Buchstaben – mehr hat OneButtonTravel oberflächlich betrachtet nicht zu bieten. Dahinter verbirgt sich eine abgefahrene Sci-Fi-Geschichte mit Zeitreisen, Einhörnern und selbstfahrenden Autos, die an aktuelle Entwicklungen anknüpft. Gestaltet als text-basiertes Abenteuer, bei dem wir einer Person in der Zukunft quasi „per SMS“ helfen, Entscheidungen zu treffen. Das Spielkonzept ist bekannt von Lifeline, bei dem Astronaut Taylor um Hilfe bittet. Kommt eine Nachricht, können wir gleich eine der vorformulierten Antworten schicken – oder Stunden später, das Spiel wartet. Gut für Menschen mit wenig Zeit für stundenlanges Zocken.

Beginn des Chats in One Button TravelGanz ohne Spoiler geht es leider nicht weiter. Das Spiel ist einem ungenannten Jahr angesiedelt, irgendwann nach 2046. OneButtonTravel ist eine Reiseagentur, die in 2015 Menschen einfriert, um sie nach der Erfindung von Zeitreisen wieder aufzutauen. Das wäre so schön, aber die Firma geht pleite und ihre Kund_innen landen als Gestrandete in der Zukunft. Mit einem gehackten Handy kommen von einer dieser gestrandeten Personen Warnungen, nicht den Knopf zu drücken – natürlich zu spät und der Schlüssel zur Stornierung lässt sich nur in der Zukunft finden.

Dann geht es auf die Reise durch einen Überwachungsstaat, in dem alles Geld kostet, der öffentliche Raum nachts geräumt wird und täglich neue Kleidung günstiger als Waschen ist. Sci-Fi, die doch sehr nah an der Gegenwart steht. Und nirgendwo wird es deutlicher als bei den Lagern für die Menschen ohne Rückreisemöglichkeit, in denen zwischen Versorgen und politischer Hilflosigkeit die Menschlichkeit abhanden gekommen ist. Gut-gemeinte Hilfe gibt es auch. Aber gut-gemeint ist nicht immer gut-gemacht und die Lösung unseres Problems können wir am Ende nur selbst finden.

Wenn ihr also ein iOS-fähiges Gerät habt, gerne in die Zukunft reisen würdet und über ein paar Tage immer wieder etwas Zeit habt, sei Euch dieses Spiel mit vielen kleinen ironischen Seitenhieben („Betrug passt doch gut zu One Button Travel“) ans Herz gelegt.

OneButtonTravel gibt es für 2,99 Euro im App-Store.

Disclaimer: Ich kenne Marcel-André Casasola Merkle und Martin Pittenauer, habe aber das Spiel ganz einfach gekauft.

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