Ein Vormittag mit MaKey MaKey

Ich war schon auf einigen Veranstaltungen der Hacking-Community und auf allen wurden die tollsten Sachen gebaut. Blinkende, piepende oder manchmal auch sehr nützliche Sachen. Trotz der um mich herum herrschenden Begeisterung habe ich mich dennoch nie in einen Workshop getraut oder selbst etwas gebaut. “Hacking”, “crafting” und “making” klangen für mich immer nach zu viel Fachwissen und Sachverstand, der mir schlicht fehlt.

Auch auf dem tinypalace in Kassel gab es einen Workshop, der sich mit dem Bau von “custom controllers” beschäftigte. Beim Lesen des Programms erschien mir das wieder zu technisch und irgendwie über meinem Kopf. Doch was die kanadische Medienkünstlerin Darsha Hewitt auf dem improvisierten Tisch aus Bierkisten und Holzbrettern ausbreitete, waren nicht nur Lötkolben und Platinen. Stattdessen erweckten Pappe, Klebestifte und anderes Bastelmaterial bei mir den Eindruck einer Bastelecke. Und “Basteln” ist etwas, die ich mir zutraue!

Hewitt hatte eines der bekanntesten DIY-Geräte mitgebracht: das MaKey MaKey. Dieses kleine Stück Plastik erlaubt es mit ein paar Drähten aus nahezu allem einen Controller zu bauen. Das MaKey MaKey wird dazu per USB-Kabel an einem Computer angeschlossen. Auf der Vorderseite befinden sich Anschlüsse für vier Richtungstasten, die Leertaste und den Linksklick der Maus. Um eine dieser Tasten, mit denen sich simple Spiele bereits steuern lassen, auszulösen, müssen lediglich zwei Drähte verbunden und damit ein Schalter geschlossen werden.

Fast alles kann als Schalter dienen. Ich bastelte beispielsweise eine Zielscheibe. Wird ein Ball dagegen geworfen, berühren sich die beiden Drähte auf der Rückseite der Zielscheibe und lassen das Spiel “Borb the Birb” reagieren… und brachten auf dem Weg dahin auch noch eine LED zum Leuchten.

Darsha bastelte aus einer mit metallischer Folie umwickelten Wäscheklammer einen Schalter für das Dinosaurier-Minispiel aus dem Browser Chrome und demonstrierte gleich noch, dass ein Controller viel mehr als nur ein Schalter sein kann. Mit Schere und Pappe baute sie gleich die ganze Landschaft des Spiels nach und schuf so eine Verbindung zwischen dem Sprung auf dem Bildschirm und dem Tastendruck davor.

Noch einen Schritt weiter ging der am Workshop teilnehmende Spieleentwickler Bob. Zu dem Fischteich und der Angel programmierte er schnell noch eine eigene visuelle Darstellung auf dem Monitor, sodass sofort zu sehen war, ob nur ein Stiefel oder doch ein Fisch angebissen hat.

Während langsam die ersten Gäste in der Ausstellung eintrafen, wurde also gebastelt. Einige der Besucher_innen gesellten sich kurz dazu, stellten neugierige Fragen oder bastelten gleich mit. Und ich frage mich, warum ich nicht früher schon mit Technik gebastelt habe. Das MaKey MaKey ist alles andere als neu und die Gelegenheiten hatte ich schon auf diversen Events. Vielleicht war es der gezielt niedrigschwellige Ansatz von Hewitts Workshop, vielleicht auch die Verspieltheit von Videospielen zusammen mit einem Tisch voller Bastelutensilien. Vielleicht war es auch Ziellosigkeit und das damit verbundene Fehlen, etwas “Falsches” bauen zu können.

So oder so ist meine Neugierde geweckt. Endlich. Und das ist vermutlich das beste, was sich aus einem solchen Workshop mitnehmen lässt.

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