For Science (Fiction)!
Ein wissenschaftliches Let’s Play

Dr. John-Alan Pascoe spielt nicht nur Videospiele und macht davon Let’s Plays… er ist auch noch Wissenschaftler! Und beide Themen kombiniert er gerade in seinem Let’s Play zu Mass Effect: Andromeda! Neben Schießereien mit Lasergewehren und dem Erforschen fremder Planeten, erklärt er dort z.B. wie künstliche Schwerkraft funktioniert.

Zu dieser besonderen Art von Let’s Play haben wir ihn ausgefragt:


herzteile: Könntest du dich unseren LeserInnen vorstellen? Was machst du denn noch neben Wissenschaft und Videospielen?

John-Alan Pascoe: Hallo, ich heiße John-Alan (wie ihr bereits wisst), bin 30 Jahre alt und Niederländer. Ich bin Wissenschaftler – in dem Sinne, dass ich die wissenschaftliche Methode anwende, um mehr über die Welt zu erfahren. Und ich werde auch noch dafür bezahlt! Die letzten vier Jahre habe ich an der Delft University of Technology damit verbracht, zu untersuchen, wie Risse in Epoxidharz wachsen, wenn wir oft daran ziehen. Das hilft uns zu verstehen wie lange bestimmte Strukturen, die zusammengeklebt wurden, sicher verwendet werden können. In ein paar Monaten werde ich ans Imperial College nach London wechseln. Dort werde ich untersuchen, wie man es für Risse in Karbonfaser-Gemischen schwerer machen kann, zu wachsen, indem man bestimmte Muster ins Material schneidet.

Wenn ich nicht gerade spiele lese ich gerne (von Wissenschafts- über Geschichtsliteratur zu Fantasy und Fiction), mache Modellbau und schaue mir die Twitch-Streams von Freunden an.

Wie wichtig ist dir die Mass Effect Reihe denn? Hast du die vorherigen Titel auch gespielt? Was fasziniert dich an der Reihe?

Um ehrlich zu sein, ist mir Mass Effect nicht superwichtig. Ich habe die Trilogie gespielt und viel Spaß dabei gehabt. Daran, dass ich Mass Effect 3 erst dieses Jahr zum ersten Mal durchgespielt habe, merkt ihr schon, dass ich kein eingefleischter Fan bin. Aber ich mag gute Science-Fiction, von der es leider nicht so viel in Rollenspiel-Form gibt, daher kommt wohl die Neigung zu Mass Effect. Ich mag auch, wie plausibel die Spielewelt (oder “Spielegalaxie”) aufgebaut ist.

Hast du vorher schon Let’s Plays aufgenommen? Wenn ja, von welchen Titeln? Gab es bei denen auch einen solchen Fokus wie etwa Wissenschaft?

Ich habe ein Let’s Play vom den ersten Assassin’s Creed gemacht. Natürlich war da nicht viel Wissenschaft enthalten, also habe ich mich stattdessen auf Geschichte konzentriert. Ich streame auch unregelmäßig andere Spiele bei Twitch, wie den Train Simulator, Flight Simulator, die Dragon-Age-Reihe und natürlich auch Mass Effect.

Wie bist du auf die Idee gekommen, Wissenschaft zum Fokus in deinem Let’s Play zu machen? Hast du dich durch ähnliche Videos oder etwas das in dem Spiel vorkommt inspirieren lassen?

Die Analysen und Kritik von Science-Fiction-Filmen und -Fernsehserien (z.B. über die Wissenschaft in Star Trek) waren meine erste Inspiration. Ich wollte auch etwas machen, bei dem ich mehr über die Spiele nachdenke, die ich zocke. Und da ich bereits etwas über Wissenschaft weiß, ohne es immer nachschlagen zu müssen, dachte ich mir dass ein Let’s Play von Mass Effect gut passt. Die größte Motivation war aber in einem anderen Stream jemanden zu sehen, der nicht wusste, dass Vanadium ein wirklich existierendes chemisches Element ist. Da dachte ich mir, dass es sicher einen Platz gibt für eine Serie, in der ich über die Wissenschaft reden kann, statt nur kleinlich aufzulisten was im Spiel alles nicht stimmt.

In meinem Let’s Play versuche ich einerseits über coole Sachen zu reden die mit Wissenschaft zu tun haben, aber auch auf Fehler hinzuweisen. Mir ist natürlich klar, dass ein Videospiel in erster Linie Spaß machen soll statt wissenschaftlich akkurat zu sein. Das Vorurteil vom langweiligen Wissenschaftler der allem den Spaß nimmt indem er auf jeden Fehler hinweißt will ich nicht bedienen.

Es gibt auch noch andere Spiele wie SpaceChem oder Kerbal Space Program die sich auch für dein Let’s Play gut geeignet hätten. Wieso ist es ME:A geworden und nicht etwas anderes?

Ich glaube das liegt einfach daran, dass ich zu dem Zeitpunkt einfach Lust auf Mass Effect hatte. Da das Spiel eher storylastig ist kann ich auch immer über das reden, was gerade passiert. Ansonsten kann ich mein Hintergrundwissen abrufen während ich spiele. Bei Kerbal Space Program wäre ich schnell an dem Punkt, an dem ich einiges nachlesen müsste, um was Interessantes sagen zu können.

Was ist denn, wenn wir die Wissenschaft im Spiel betrachten, aus deiner Sicht das Interessanteste an Mass Effect?

Der “Mass Effect” im Spiel selbst ist sehr spannend. Natürlich ist das keine richtige Wissenschaft, aber es ist interessant wie es in die Spielewelt eingebunden ist. Wenn wir mal annehmen, dass der “Mass Effect” wirklich existiert, ergibt der Rest der im Spiel darüber erzählt wird Sinn? Ansonsten mochte ich die Beschreibung der Tarntechnik des Raumschiffs aus den ersten Spielen. Das war, soweit ich mich erinnern kann, wissenschaftlich recht plausibel.

An welches Publikum hast du gedacht, als du mit dem Let’s Play begonnen hast? Wie viel Vorwissen müssen die Zuschauenden mitbringen um deine Erklärungen zu verstehen?

Die Leute auf Twitch decken die große Bandbreite von fast keinem Vorwissen bis hin zu einem Doktortitel in Quantenmechanik ab. Daher versuche ich es so verständlich und lustig wie möglich für alle zu halten. Im Eifer kann das aber schwierig werden sich daran zu erinnern was manche Leute über bestimmte wissenschaftliche Gebiete wissen oder nicht wissen. Zögert bitte nicht und fragt in den Kommentaren nach mehr Erklärungen!

Wie schwierig ist es, eine gute Balance zwischen dem Erklären und dem Vorantreiben der Story zu finden?

Sehr schwer! Wenn ich in ein Thema tiefer einsteigen will, wie ich es beispielsweise mit Strahlung oder Quantenverschränkung gemacht habe, mache ich mir schon etwas Sorge, dass ich zu viel rede und zu wenig spiele. Besonders weil ich nicht möchte, dass die Folgen zu lang werden. Ich versuche jede Folge zwischen 20 und 40 Minuten zu halten. Doch selbst reines Spielen bringt die Story in einer Folge manchmal auch nicht viel weiter. Da den richtigen Mittelweg zu finden ist ein fortlaufender Prozess.

Wieviel Aufwand macht dir eine Folge? Musst du manches erst nachlesen, zusätzlich zum schneiden und hochladen der Videos?

Zum Glück ist es nicht viel Aufwand, ich mache das Meiste ohnehin ohne Drehbuch (es ist auch mein erstes Durchspielen). Ich schneide nicht viel, das müsste ich mir auch erst beibringen. Ab und zu recherchiere ich zwischen zwei Folgen, um sicherzugehen, dass ich die richtigen Fakten zu einem Thema von vorherigen Folgen zusammen habe. Meistens verlasse ich mich aber auf mein Hintergrundwissen.

Wird es noch mehr Let’s Plays von dir geben wenn du mit ME:A fertig bist? Wenn ja, kannst du schon sagen welches Spiel es wird und ob es wieder um Wissenschaft geht?

Es wird noch eine ganze Weile dauern, bis ich fertig bin. Was danach kommt… da bin ich mir noch nicht sicher, ich habe aber schon ein paar Ideen. Ich habe mir überlegt eine Serie mit dem Flight Simulator zu  machen, in der ich die transasiatische Eisenbahn verfolge und über die Geschichte der Regionen erzähle und vielleicht die Luftfahrt erkläre. Es ist auch gut möglich, dass ich mit der Assassins-Creed-Reihe weitermache, und deine Idee mit SpaceChem gefällt mir auch sehr gut.


Falls ihr noch mehr von John-Alan Pascoe verfolgen wollt, findet ihr hier seinen YouTube-Kanal und hier streamt er bei Twitch.

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