Eindrücke einer Anfängerin

Vor ein paar Wochen wurde ich mit mit einem Virus infiziert, der schon seit einer Weile in dieser Online-Welt im Allgemeinen und in meiner Bezugsgruppe im Besonderen zirkuliert. Meine Infektion fiel mit einer “echten” körperlichen Krankheit zusammen, die mich davon abhielt mein Bett zu verlassen, allerdings nicht davon, meine Hände – und damit meinen Computer – zu benutzen. Und da ich in ein paar Blogposts (hier und hier) über ein höchst unterhaltsames und abwechslungsreiches Spiel gelesen hatte, entschied ich mich dazu, es auszuprobieren um mir ein bisschen die Zeit zu vertreiben.

Nun… das Zeit vertreiben schien nur zu gut zu funktionieren. Ich hatte gerade erst herausgefunden, wie ich es schaffe nicht das Frühstück eines Zombies oder von einem Creeper in die Luft gesprengt zu werden, als ich bemerkte, dass es langsam dunkel wurde (und damit meine ich da draußen, in dieser anderen Welt, die nicht Minecraft ist) und ich selbst weder gefrühstückt noch zu Mittag gegessen hatte. Diese Feststellung brachte mich allerdings nicht, wie zu vermuten wäre, dazu, mein dediziertes Minecraftgerät beiseite zu stellen, um mir “echtes” Essen in der “echten” Welt zu suchen. Stattdessen wollte ich noch “kurz mal eben dieses eine Projekt fertig bekommen…” bevor ich tatsächlich etwas aß. Ein paar Stunden später… hätte mein Herzensmensch mir nicht etwas zu Essen gebracht, ich hätte vermutlich auch den Rest des Tages keine Nahrung mehr zu mir genommen.

Um eine lange und offenbar nicht unbekannte Geschichte kurz zu fassen: Ich habe seither eine Menge Zeit damit verbracht, Minecraft zu spielen und es bereitet mir ein ungeheures Vergnügen. Trotzdem ist da eine Sache die mich stört: Aus irgendeinem Grund, der sich mir nicht erschließt, schien das Spiel anzunehmen, dass ich ein Tüp bin, oder dass es mir zumindest nichts ausmachen würde als Tüp durch diese Welt zu laufen. Und da ich keine große Wahl hatte, tat ich genau das in den ersten Tagen. Aber tatsächlich machte es mir sehr wohl etwas aus. Ich bin kein Tüp, und ich möchte normalerweise auch nicht als solcher gelesen werden. Daher ärgerte mich die männliche Erscheinung (und Identität, da der offizielle Name des voreingestellten Spielers “Steve” ist), die mir aufgezwungen wurde. Ich hätte mir für den Einstieg einen neutralen Namen gewünscht – und eine neutralere Erscheinung.

So wie es war sah ich mich gezwungen, das Aussehen meiner Spielfigur anzupassen, und da ich nicht grade besonders künsterlisch begabt bin, versuchte ich online einen passenden Skin zu finden, den ich nutzen konnte. Ich wollte überhaupt nichts besonderes, nur einen sehr grundlegenden Skin, so ähnlich wie “Steve”, nur ohne Bart und vielleicht mit etwas feminineren Haaren. Junge, wurde ich enttäuscht. Jeder weibliche Skin den ich fand war mit Make-up und “sexy” Kleidung “aufgehübscht”. Das bedeutete kurze Hosen und tief ausgeschnittene Tops oder sogar nur eine Art merkwürdiger Blockini. Einige trugen gar keine Kleidung. Sollte das also meine Auswahl sein? Entweder als Tüp herumlaufen, oder die “sexy lady” sein? Na, besten Dank, so nicht. Also versuchte ich kurzerhand einen eigenen Skin zu gestalten, indem ich Steve und eine nackte Frau miteinander verbastelte (nein, nein, nichts unanständiges!) und hier und da noch etwas anpasste. Das Ergebnis sah so aus:

back_revised front_revised

Ich weiß nicht, ob ich dieses Aussehen für immer behalten möchte, aber für den Moment funktioniert es für mich. Es hat auch nur ein paar Stunden gedauert, die ich spielend hätte verbringen können, wenn ich das gewesen wäre, was der “Normalfall” zu sein scheint: ein Tüp. Wir leben eben doch immernoch in einer Tüpen-Welt.

Nachtrag: In diesem Post bereut Notch, der ursprüngliche Entwickler von Minecraft, dass er die Figur Steve getauft hat und damit die Wahrnehmung als “Minecraft Guy” geschaffen und motiviert hat. Auch wenn ich diese Aussage zu schätzen weiß, ändert es doch nichts an den oben genannten Eindrücken.

Diesen Beitrag von @felis_blue hat sie für herzteile übersetzt.

3 Gedanken zu “Eindrücke einer Anfängerin

  1. Das faszinierendste an Minecraft finde ich, wenn ich bei meinen Neffen höre, wie beliebt das Spiel bei Kindern ist – auch unabhängig von Geschlechtergrenzen. Vielleicht wird die Standard-Figur ja irgendwann auch noch einmal geändert, statt sich nur in einem Blogpost zu ärgern.

    Ich musste beim lesen an die Geschichte denken, an die Geschichte denken, dass wer für seine Tochter Zelda gemoddet hat, um sie zum spielbaren Charakter zu machen.

Kommentar verfassen