Flap Flap Flap Flap Flap

Die Timeline twittert über Flappy Bird, die Kolleg_innen reden im Büro über Flappy Bird, Gamesjournalist_innen schreiben über Flappy Bird. Sogar Spiegel Online schreibt darüber.

Auf den ersten Blick sieht es aus wie ein Klon der erfolgreichen Smartphone-Spiele mit Vogel-Thematik, wie Angry Birds oder Tiny Wings. Die Spielmechanik erinnert eher an simple Browserspiele oder Badlands. Und die Grafiken sind eine Hommage mehr oder weniger von Super Mario kopiert.

Nach einem kleinen Moment um sich mit der Steuerung vertraut zu machen müssen Hindernisse durchflogen werden. Endlos. Je mehr Hindernisse, desto höher die Highscore – das war’s. Das Ergebnis der ersten Runde wird bei vielen wohl genau so ausgesehen haben wie bei mir: 0. Die nächsten paar Runden sehen nicht viel besser aus. Nach jedem Erfolgserlebnis kommt wieder eine Runde, die am ersten Hindernis endet.

flappybirdhighscore

Und dann, beim Warten auf den Falafel oder im Bus, passiert plötzlich so etwas: 24 Punkt! Mit dem Kopf frei von Gedanken war da auf einmal  eine neue Highscore. Ganz entspannt, fast schon meditativ. Jetzt scheint die Anfängliche Hürde genommen, das Spielprinzip verinnerlicht. Jetzt kann das Spiel nach dem frustrierenden Anfang endlich anfangen Spaß zu machen.

Und dann endet die nächste Rundem am zweiten Hindernis, so wie jede Runde genau so gut auch beim ersten Hindernis enden kann, egal wie viele Runden schon gespielt wurden. Ist es wirklich möglich besser zu werden, die Steuerung zu verinnerlichen? Nein, vermutlich nicht.

Überrascht stellte ich fest, dass Flappy Bird schon im Mai 2013 erschienen ist. Warum es jetzt plötzlich wie aus dem Nichts die Download-Charts für iOS und Android stürmte und zum Gesprächsthema wurde ist wohl der mysteriösen Dynamik des Hypes geschuldet. Aber warum ausgerechnet ein Spiel wie Flappy Bird? Es ist nach allen möglichen Bewertungskriterien ein schlechtes Spiel. Die Grafik ist geklaut und die Kollisionsabfrage ist nicht immer nachvollziehbar.

Der Spaß scheint genau darin zu liegen, sich von einem Spiel vorführen zu lassen, um es irgendwann doch mit einer hohen Highscore zu besiegen. Flappy Bird ist nicht nur schwer, es ist auch unfair. Nicht die Freund_innen mit besseren Highscores in der Rangliste sind die Gegner, sondern das Spiel an sich. Und auch dieses gemeinsame Scheitern kann ja Spaß machen.

So viel wie darüber geschrieben und sinniert wird, von Journalist_innen und Designer_innen, lässt sich schon erahnen, dass Flappy Bird Ende dieses Jahres nachträglich auf Game of the Year-Listen auftauchen wird. Wird zu viel in das Spiel hinein interpretiert? Mit Sicherheit. Aber der Hype ist zu groß, um das Spiel abzutun.

Vielleicht sagt Flappy Birds ja wirklich etwas darüber aus, dass das Publikum für Videospiele unvorhersehbar ist. Wie absurd die innerhalb von Tagen erscheinenden Klone von Klonen erfolgreicher Spiele sind. Und wie ratlos der noch junge Games-Journalismus manchmal wirkt, wenn er versucht, aus all dem einen Sinn zu gewinnen.

Und was ist überhaupt wichtig, wenn 50 Millionen Menschen Spaß an einem Spiel haben, das keinen Spaß machen sollte?

Vorbei ist die Geschichte ohnehin noch nicht. Es gibt den unbewiesenen Vorwurf, der plötzliche Erfolg ließe sich auf die Manipulation der App Stores zurückführen. Dann kündigte Entwickler Dong Nguyen überraschend an, das Spiel aus den App Stores zu nehmen, weil es sein einfaches Leben gestört hätte. Diese Überforderung mit dem passt nicht ganz zu dem kalkulierten Erfolg. Ein Blick in die Twitter-Replies von Nguyen offenbart viele wütende, oft rassistische Angriffe. Inzwischen ist das Spiel wie angekündigt verschwunden, neue Downloads sind nicht mehr möglich.

Der letzte Absatz wurde Sonntag Abend bearbeitet, die Angriffe auf Dong Nguyen wurden zuvor nicht erwähnt.

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