Nicht bewegen!

Die kleine, blaue Figur steht in einem leeren Gang, neben ihr ein paar Kerzenhalter. Nichts passiert… bis sie in eine Richtung los geht und nach ein paar Schritten explodiert, nur um sofort wieder am Anfangspunkt zu erscheinen. Das Spiel um das es geht heißt nicht ohne Grund “Don’t Move“.

Die Aufforderung etwas nicht zu tun ist für ein Spiel eher ungewöhnlich und wird selbstverständlich erst einmal ignoriert. Die ersten paar Explosionen sorgen anfänglich für Verwirrung. Bin ich in die falsche Richtung gelaufen? Zu schnell? Zu langsam? Es dauert einen Moment, bis klar wird, dass die Figur einfach immer explodiert, wenn sie sich bewegt.

Entwickler Steve Richey beschreibt Don’t Move selbst als ein Spiel über “ninjas, failure, ludonarrative dissonance, and player investment manipulation”.

Nach populärer Meinung wäre Don’t Move kein Spiel, lässt es sich doch weder gewinnen noch verlieren. Wer mit dem Spiel durch Bewegung interagiert wird mit dem Tod der Spielfigur “bestraft” und gleichzeitig aber auch durch diverse Highscores belohnt.

Aber es ist nicht so, dass es keinen Fortschritt gibt. Er ist sogar sehr klar bemessen. Mit der Zeit erscheinen neue Menüs und Trophy-Anzeigen, Statistiken erfassen die Zeit, die zurückgelegten Pixel – und wie oft der Spielende gestorben ist. Erfahrungspunkte mehren sich und erhöhen den Level. Münzen erscheinen und lassen sich aufsammeln.

Einen Einfluss auf die Spielmechanik hat nichts davon. Nach etwa 50 Minuten ist das Spiel durchgespielt, aber nicht zu Ende und die Spielfigur noch immer allein in dem leeren Gang.

Don't Move: Level Up

Alle vermeintlichen Erfolge sind reiner Selbstzweck. Trotzdem – oder gerade deshalb – weckt es doch einen gewissen Ehrgeiz, in dem es die selben psychologischen Anreize nutzt, die sich auch viele Free to Play-Spiele zunutze machen. Wenn die Aufmachung etwas weniger ironisch wäre, wie viel Geld ließe sich wohl mit dem Verkauf von “50 neuen Versuchen” für 99 Cent verdienen?

Eigentlich kann das keinen Spaß machen, und ich weiß es auch. Trotzdem lässt mich irgend etwas weiterspielen. Vielleicht ist der Trieb Prozentbalken zu Füllen und Sammlungen zu Vervollständigen, die Neugier, was für eine optische Änderung als nächstes kommt oder einfach das sinnlose, monotone Vertreiben von Zeit.

Und während ich in Meta-Gedanken schwelge versuche ich doch immer noch das effektivste Bewegungsmuster aus der Mechanik herauszukitzeln, wissend, dass es keinen Sinn macht. Ich bin auf das Spiel hereingefallen. Don’t Move könnte auch “Don’t Play” heißen. Oder “Don’t Stop”. Es liefe auf’s selbe hinaus.

Don’t Move gibt es für Android (73 Cent), Windows, OS X und Linux (kostenlos) und Steam Greenlight.

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