Brave New République

Die Entwicklung von République wurde auf Kickstarter mit über einer halben Millionen Dollar finanziert. Inzwischen hat Camouflaj die erste Episode des Stealth-Spiels für das iPad veröffentlicht.

In der Werbung wurden die Entwickler_innen nicht müde, ihre Verbindung zu Metal Gear Solid zu betonen. Sogar Solid Snakes englische Stimme David Hayter wurde engagiert und in vielerlei Hinsicht ist das große Vorbild zu erkennen. Zunächst exklusiv für das iPad sollte République ein Tabletspiel werden, das dieses als Spieleplattform ernst nimmt und technisch wie erzählerisch Grenzen auslotet.

Spielende haben keinen Avatar, sondern werden direkt durch die vierte Wand angsprochen. Wir hacken uns in das Sicherheitssystem einer mysteriösen Einrichtung, deren Überwachungskameras unsere Augen und Ohren werden. Hauptcharakter der Story ist die Insassin Hope, die wir bei ihrem Fluchtversuch unterstützen. Sie wird indirekt gesteuert: Ein Tippen auf den Bildschirm gibt ihr einen Wegpunkt vor, zu dem sie selbstständig läuft – im Vertrauen auf uns, dass um die Ecke keine Wache lauert.

Der Spielablauf besteht im groben aus zwei Modi. In der Hacking-Ansicht ist das Spielgeschehen pausiert, um in Ruhe die Umgebung zu erkunden, Computer zu manipulieren und das Vorgehen zu planen. Anschließend wird der Plan in Echtzeit ausgeführt. Hope kann sich gegen Wachen mit Pfefferspray und Elektroschockern zur Wehr setzen, Wachen können hinter gehackten Türen eingesperrt oder mit manipulierten Alarmen abgelenkt werden und auch wenn die Wege recht linear sind gibt es doch eine gewisse Freiheit in der Wahl des Spielstils.

Dass République versucht neue Wege zu gehen macht sich auch an der etwas trägen Steuerung bemerkbar. Das Konzept funktioniert trotzdem gut und was jetzt noch etwas grobschlächtig wirkt kann in den nächsten Episoden verfeinert werden. Die vorgegebenen Blickwinkel durch die festen Positionen der Kameras sind hingegen keine wirkliche Einschränkung. In den besten Momenten fühlt es sich beinahe wirklich so an, mit dem immer noch futuristisch wirkenden iPad ein Sicherheitssystem zu hacken.

Zwischen den neuen und alten Ideen trifft République den Zeitgeist. Vor allem aber die Thematik selbst ist spätestens mit den Leaks, die das Ausmaß der Überwachung der NSA öffentlich machten, erschreckend aktuell. Es scheint in einer Welt Post-Snowden ein Interesse an der Verarbeitung des Themas in der Popkultur zu geben. Die Welt im Spiel selbst ist weniger von tatsächlichen, sondern eher von literarischen Dystopien inspiriert. Klassiker wie Brave New World und Animal Farm werden nicht nur zitiert, sie tauchen als sammelbare Objekte im Spiel auf. Themen wie die Unterdrückung von Kunst und die Resozialisierung von anders Denkenden scheinen direkt aus diesen Vorlagen zu stammen.

Kleine Informationsfetzen und Fundstücke lassen ein verschwommenes Gesamtbild dieser Welt erahnen, mit der die Figuren nicht mithalten können. Der Hacker Cooper ist ein stereotyper Nerd, während Hope nicht einmal das ist. Sie soll wie eine starke, weibliche Hauptfigur wirken. Damit sie das wirklich wird, muss Camoflaj anfangen ihr eine Geschichte und tatsächliche Charaktereigenschaften zu geben. Momentan ist sie nicht mehr als ein Platzhalter in der Spielwelt.

Die erste Episode gibt es kostenlos, der Season Pass für die folgenden kostet 14€. Ein vergleichsweise hoher, aber angemessener Preis. Umso ärgerlicher ist die Werbung im Spiel. Gegner tragen Ausweise mit Fotos von Kickstarter-Backern, was dazu führt dass auf einmal der Comic-Avatar von Penny Arcades Tycho Brahe im Spiel auftaucht. “Backer” ist hier absichtlich im Maskulinum geschrieben – bisher gibt es ausschließlich männliche Wachen. Des weiteren lassen sich Exemplare von “Infinite Blade”, “Kingdom Rush” und anderen iOS-Spielen finden, die beim Aufsammeln auch noch lobend beschrieben und im Inventar inklusive Link in den App Store erscheinen. Bei so aufdringlicher Schleichwerbung erzeugt das Vorhandensein eines Shops zum Kauf von neuen Hacking-Funktionen im Spiel zwangsläufig die Befürchtung auf ein In-App-Purchase-System…

Was nach am Ende bleibt ist vor allem das Warten auf mehr. Camouflaj hat genug richtig gemacht um über die Kinderkrankheiten hinwegsehen zu können. République ist ein ambitioniertes Spiel, das die meisten seiner gesetzten Ziele erreicht. Die erste Episode ist ein Beweis, dass das Konzept funktioniert – die nächsten Episoden können sich also voll auf die Story und Charaktere konzentrieren.

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