Die Königin ist tot!

Ein halbes Jahr ist vergangen, seit meine Mutter, die Königin, starb. Ich verbrachte die Zeit mit vielen Unterrichtsstunden, lernte über Außenpolitik und wirtschaftliche Zusammenhänge. Über all das versäumte ich aber das Studium der Heilkunde… vielleicht hätte ich das tödliche Gift in der Schokolade mit diesem Wissen früher bemerkt.

So enden viele Runden in “Long Live The Queen“. Die Wochen bis zu Elodies Krönung an ihrem 15. Geburtstag sind voller Gefahren. Attentate und Unfälle, Krankheiten und Kriege trachten der Prinzessin nach dem Leben. Hinter der einfachen Aufmachung einer Dating Sim verbirgt sich ein spannendes System aus Politik und Intrigen, in das die Geschichte der Prinzessin Elodie eingebettet ist.

Eine Runde besteht aus drei Phasen. Fähigkeiten können im Unterricht verbessert werden und die Wahl der Freizeitgestaltung beeinflusst Elodies Laune in der nächsten Runde. Dazwischen stehen Dialoge, die meistens automatisch ablaufen.

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Die schiere Anzahl der Fähigkeiten macht es unmöglich, in allem gut zu sein. So lädt jeder neue Durchlauf dazu ein, einen anderen Spielstil auszuprobieren. Das Vorwissen über wiederkehrende Ereignisse schadet nicht, sondern mach es eher spannender. Wird der militärische Konflikt mit dem Nachbarland diplomatisch vermieden, gezielt gesucht – oder zu Gunsten anderer Ziele absichtlich zum einkalkulierten Desaster?

“Long Live The Queen” spielt sich sehr simpel, durch die Verzahnung der Spielmechaniken entsteht aber ein Gefühl von Komplexität und Unberechenbarkeit: Elodies Stimmung beeinflusst ihren Lernprozess, Fähigkeiten beeinflussen den Ausgang von Dialogen, Dialoge beeinflussen die Stimmung. Jede Änderung in einem zweistellige Kommawert fühlt sich an, als hätte es direkte Auswirkungen. Und obwohl Spiel_erinnen selbst meist nur indirekt Einfluss nehmen, fühlt sich die jedes mal etwas anders ablaufende Geschichte doch wie die eigene an.

Auch ständiges Scheitern gehört zum Spiel. Meine ersten paar Runden endeten allesamt lange vor der Krönung. Die vielen Tode von Elodie nimmt das Spiel mit schwarzem Humor. Für jede “freigespielte” Todesursache gibt ein Achievement, das ebenso schrecklich wie niedlich illustriert und meist sch(m)erzhaft kommentiert ist.

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“Long Live The Queen” ist wie ein Labyrinth mit vielen Wegen zum Ziel. Mit jedem Versuch wird ein neuer Weg erkundet, endet dann aber doch wieder in einer Sackgasse. Die Geschichte wird eher entdeckt als erlebt. Versuchen, sterben, noch einmal versuchen, erneut sterben und das immer wieder. Lang lebe die Königin… bis sie das nächste mal stirbt. Und dann auf ein Neues.

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